Berlin, 1888. The 18-year-old stage carpenter and extra Otto Reutter encountered the Berlin cabaret and cabaret stage star Martin Bendix in the old American Theatre on Dresdener Strasse. Bendix had been dubbed “the hilarious” and was a Berlin original, at whose jokes allegedly “even the imperial family laughed“. The acquaintance was a godsend for the young Otto Reutter; he was able to hone his stage and comic song craftsmanship by learning from Bendix. To this day, the name Otto Reutter is inextricably linked to the German cabaret of the 20s, his comic songs continue to be sold and are often viewed on YouTube. Yet scarcely anyone remembers the name of Martin Bendix these days.

Yet Martin Bendix was of significance not only as a local Berlin performer, but also as a representative of German light music and one of the pioneers of the fledgling recording industry.

Born Martin Wagner (or Wagener) in 1843 in Berlin, Bendix secured his first acting job as a teenager when he joined a traveling theatre company. In 1870 he returned to Berlin and continued his career as a comedian – not only on stage but also on wax cylinder recordings released by the Edison company. When the shellac disc emerged as the successor medium, he made numerous recordings, including solos, duets together with his son Paul, and also various recordings with different ensembles. He filmed a one-act play in the Berlin Comet film studio.

His son Paul Bendix was born in 1870 and studied music before working as a composer. He also joined the theatre – including the Kabarett der Komiker and the Apollo Theater – and worked closely with his father. This resulted in many shellac father-and-son recordings of duets and dialogues. In 1911 they opened their own variety theatre, the “Singspielhalle”, a popular comedy and musical theatre in Oranienstrasse in Berlin.

Die dicke Berta deutscher Siegesmarsch | Paul Bendix, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Public Domain Marked

Die dicke Berta deutscher Siegesmarsch | Paul Bendix, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Public Domain Marked

The repertoire of Martin and Paul Bendix was based on clichés regarding petty bourgeois life. The songs were entitled “Beim Photographen“, “Berliner Straßenszenen” or “Clementine mit ihrer Schreibmaschine“. But their shows also included common stereotypes of the time and attitudes about the world, such as “Der fidele Afrikaner“ or “Besuch im Harem (Nur für Herren)“. They even touched upon the war fever of WWI in songs like “Die dicke Berta – Deutscher Siegesmarsch“.

After 50 years on the stage, Martin Bendix died in 1915 when he was run over by a post office van. Paul Bendix continued to run the “Singspielhalle” for some time, made radio appearances and toured after the war in the USA with an ensemble. He eventually fell victim to the enforced political conformity of the National Socialist dictatorship: in 1940 he was listed in the “Lexikon der Juden in der Musik” as a “half-Jew” and deported in 1943 at the age of 73 to the Theresienstadt concentration camp where he died in 1944.

Just how popular Martin and Paul Bendix were is witnessed by the large number of their recordings: 215 different titles on shellac records and wax cylinders are ascribed to them – written and recorded either separately or together.

by Ida Kandler, Deutsche Nationalbibliothek

Article in German:

Bendix, der Urkomische

Berlin im Jahr 1888: Im alten American-Theater in der Dresdener Straße trifft der 18-jährige Otto Reutter, Bühnentischler und Statist, auf den Star der Berliner Kabarett- und Kleinkunstbühnen: Martin Bendix. Dieser hat den Beinamen „der Urkomische“ und ist ein Berliner Original, über den angeblich „sogar das Kaiserhaus lachte.“ Die Bekanntschaft ist ein Glücksfall für den jungen Otto Reutter, kann er sich bei Bendix doch Feinheiten des Bühnen- und Couplethandwerk abschauen. Noch heute ist der Name Otto Reutter untrennbar mit dem deutschen Kabarett der 20er-Jahre verbunden, seine Couplets werden weiterhin verkauft und vielfach auf Youtube angeklickt. An Martin Bendix hingegen erinnert sich heute kaum noch jemand.

Dabei ist Martin Bendix nicht nur als Berliner Lokalposse von Bedeutung, sondern auch als Repräsentant der deutschen Unterhaltungsmusik und als einer der Pioniere bei den damals noch jungen Aufnahmetechniken.

Unter dem bürgerlichen Namen Martin Wagner (oder Wagener) 1843 in Berlin geboren, hatte Bendix schon als Jugendlicher sein erstes Engagement und schloss sich einem Wandertheater an. 1870 kehrt er nach Berlin zurück und setzte seine Karriere als Komiker fort – nicht nur auf der Bühne, sondern auch festgehalten auf Wachswalzen der Firma Edison. Als die Schellackplatte als Nachfolgemedium aufkam, nahm er solo, gemeinsam mit seinem Sohn Paul oder mit Ensemble zahlreiche Schallplatten auf. Im Berliner Komet-Film-Atelier drehte er einen Einakter.

Sein Sohn Paul Bendix, geboren 1870, studierte Musik, war als Komponist tätig, ging später ebenfalls ans Theater – unter anderem an das Kabarett der Komiker und das Apollo-Theater – und arbeitete eng mit seinem Vater zusammen. So sind viele Schellackaufnahmen Duette oder Dialoge von Vater und Sohn. 1911 eröffneten beide zusammen ihr eigenes Varieté: die „Singspielhalle“, ein volkstümliches Lach- und Unterhaltungstheater in der Berliner Oranienstraße.

Martin und Paul Bendix bedienten mit ihrem Repertoire klischeehafte Szenen aus dem Kleinbürgeralltag. Die Stücke heißen „Beim Photographen“, „Berliner Straßenszenen“ oder „Clementine mit ihrer Schreibmaschine“. Aber ebenso findet man damals gängige Stereotype und Weltvorstellungen in ihrem Programm, wie z.B. „Der fidele Afrikaner“ oder „Besuch im Harem (Nur für Herren)“ zeigen. Und auch die Kriegsbegeisterung des Ersten Weltkriegs griffen sie mit Liedern wie „Die dicke Berta – Deutscher Siegesmarsch“ auf.

Martin Bendix starb 1915 nach über 50 Jahren Bühnenerfahrung nachdem er von einem Postauto angefahren worden war. Paul Bendix führt die „Singspielhalle“ noch einige Zeit weiter, war im Radio aktiv und tourte nach Kriegsende mit einem Ensemble bis in die USA. Die nationalsozialistische Gleichschaltung und Diktatur traf auch ihn: 1940 wurde er im „Lexikon der Juden in der Musik“ als sogenannter „Halbjude“ aufgeführt und 1943 im Alter von 73 Jahren ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er 1944 starb.

Wie bekannt Martin und Paul Bendix zu Lebzeiten waren, zeigt die Vielzahl ihrer Stücke: 215 verschiedene Titel auf Schellackplatten und Wachswalzen können ihnen – allein oder gemeinsam verfasst und aufgenommen – zugeordnet werden.